Margaretes Regentrommel
„Ich spiele sie nicht. Ich stelle sie in den Garten und warte, bis der Regen sie spielt.“ — Warum eine 64-jährige Kunstschmiedin aus dem Pfälzerwald ihre letzten handgestimmten Regentrommeln weit unter Wert abgibt, bevor ihre Hände nicht mehr mitmachen.
Margarete Faber in ihrem Bauerngarten an der Wieslauter — mit einer ihrer handgestimmten Regentrommeln.
Drei Kilometer südlich von Dahn, wo die Wieslauter einen Bogen nach Westen macht, steht ein altes Sandsteinhaus mit einer kleinen Schmiede an der Giebelseite. Hier arbeitet Margarete Faber, 64, seit 1991 als Kunstschmiedin — Gartentore, Wetterfahnen, Vogeltränken aus Kupfer, kleine Skulpturen für draußen. Seit zehn Jahren baut sie nur noch Regentrommeln.
Gespielt wird sie nicht. Margarete stimmt sie, stellt sie in den Garten, und den Rest macht das Wetter.
In der Werkstatt liegt eine letzte Charge. Danach ist Schluss.
Wie aus einem Fehlschlag Musik wurde
Im August 2015 hatte Margarete einen Auftrag auf dem Tisch: eine flache Stahlscheibe mit fünf eingeschnittenen Zungen — ein Windfänger für das Gartentor eines Kunden. Doch der Wind fing sich darin nicht so, wie er sollte. Sie legte die Scheibe auf den Baumstumpf hinter der Schmiede — sie wollte später in Ruhe noch einmal darüber nachdenken. Daraus wurden zwei Monate.
Im Oktober, mitten in einem Nachmittagsgewitter, stand sie am Amboss, als aus dem Garten ein Klang kam, den sie nicht einordnen konnte. Sie trat vor die Tür.
Die vergessene Scheibe sang. Jeder Tropfen, der auf eine der Zungen fiel, war ein klarer, gestimmter Ton. Fünf Töne, alle sauber. Der Regen spielte die Skulptur.
Auf diesem Baumstumpf begann alles — hier vergaß Margarete 2015 ihre erste Scheibe, bis der Regen sie zum Klingen brachte.
„Fünfundzwanzig Jahre lang habe ich Sachen geschmiedet, die in Gärten stehen. Keine hat je einen Ton von sich gegeben. Und dann fängt ausgerechnet das Stück an zu singen, das ich vergessen hatte.“
Noch am selben Nachmittag stand sie wieder an der Werkbank. Im November war die erste richtige fertig — neun Zungen, pentatonisch gestimmt, aufgestellt auf demselben Baumstumpf. Dort steht sie bis heute. Seit 2017 verlässt nichts anderes mehr die Schmiede.
Was man hört, wenn der erste Tropfen fällt
Auf dem Baumstumpf — antippen und hören, wie der Regen sie spielt.
Auf dem Gartentisch — einfach antippen.
Eine Regentrommel klingt anders, als die meisten erwarten. Sie ist kein Windspiel. Jeder Tropfen ist ein einzelner, sauberer Ton. Pentatonisch gestimmt: Kein Tropfen kann falsch fallen. Trifft er die F-Zunge, klingt ein F; trifft er die C-Zunge, ein C.
Bei leichtem Regen: drei, vier Töne in der Minute, mit langen Pausen dazwischen. Bei stetigem Landregen: fünfzehn, zwanzig — und trotzdem nie ein Durcheinander. Bei einem Gewitter gibt der Himmel den Takt vor, und die Trommel macht die Musik.
„Ein Klavier muss jemand spielen. Eine Regentrommel spielt das Wetter ganz von allein. Einen geduldigeren Musiker als ein Nachmittagsgewitter über dem Pfälzerwald gibt es nicht.“
Margaretes eigene Trommel — seit zehn Jahren auf demselben Baumstumpf im Garten, bei jedem Wetter draußen.
Margaretes eigene Trommel steht seit zehn Jahren auf demselben Baumstumpf. Im Haus war sie noch nie. Wenn die Wolken aufziehen, setzt sich Margarete mit einer Tasse Tee ans Küchenfenster und wartet.
Hunderte Briefe von Fremden — und warum sie keinen wegwirft
Die Briefe liegen in einer Holzkiste auf dem Regal über der Werkbank. Es sind ein paar hundert — Karten, Zettel, herausgerissene Notizbuchseiten, dazwischen mal ein Polaroid. Die meisten sind kurz. Als ich frage, ob ich sie sehen darf, holt Margarete die Kiste herunter.
„Ich lese sie nicht oft“, sagt sie. „Aber wenn eine Zunge sich partout nicht feilen lassen will, mache ich die Kiste manchmal auf.“
Sie zieht drei heraus.
Die Kiste mit den Briefen — ein paar hundert inzwischen.
Der erste Brief kommt von Helene aus Husum. Sie hatte ihre Trommel im vergangenen März auf einen Baumstumpf in der Gartenecke gestellt. Zwei Wochen später kam der erste Frühjahrsregen. Vom Küchenfenster aus schrieb sie ihrer Enkelin eine Nachricht. Den Ausdruck schickte sie später an Margarete, eingeklebt in eine Karte. Die Nachricht: ‚Der Garten macht Musik.‘
„Die liegt ganz oben auf dem Stapel“, sagt Margarete.
Der zweite ist von Markus aus Köln, 47. Seine Trommel steht auf dem Balkon, Altbau, dritter Stock. Er schreibt über das erste Sommergewitter, das sie erwischt hat — spät in der Nacht, ein Wolkenbruch, zwölf Liter auf den Quadratmeter in zwanzig Minuten. Er machte die Balkontür auf und stand das ganze Gewitter über barfuß im Türrahmen.
„Er schrieb mir, es habe geklungen, als würde das ganze Haus von oben gestimmt. Ich war noch nie in Köln. Aber bei jedem Regen stelle ich mir sein Haus vor.“
Der dritte ist eine gefaltete Karte von Christa aus dem Allgäu. Sie hatte ihre Trommel auf die breite Armlehne der Gartenbank unterm Vordach gelegt — dort liegt sie bis heute. Auf der Karte steht ein einziger Satz, in blauem Kugelschreiber:
„Es ist das Einzige in meinem Garten, das schöner wird, wenn sich der Himmel zuzieht.“
Margarete legt die drei Karten zurück in die Kiste und schiebt sie aufs Regal.
„An den letzten Satz denke ich oft beim Stimmen“, sagt sie. „Dreißig Jahre lang baut man Dinge — und dann bringt es eine fremde Frau mit einem Kugelschreiber auf den Punkt.“
Warum keine zwei gleich klingen
Ein einzelner Tropfen, ein einzelner Ton. Pentatonisch gestimmt — kein Tropfen kann falsch landen.
Fünf Details unterscheiden Margaretes Trommeln von der maschinengestanzten Massenware aus dem Netz.
Neun Töne, alle pentatonisch gestimmt. Jeder Tropfen ein sauberer Ton, der mit jedem anderen zusammenklingt. Einen falschen gibt es nicht. Fehlt das, ist es bloß ein Stück Blech, auf das es regnet.
Margarete stimmt jede Trommel auf A=432 Hz statt auf den Industriestandard von 440 Hz. Acht Hertz tiefer — die Frequenz, mit der Klangschalenbauer seit Jahrhunderten arbeiten. Das macht den Klang weicher und ruhiger.
Pulverbeschichteter Kohlenstoffstahl, versiegelt gegen Rost und UV. Gemacht für das ganze Jahr im Freien. Margaretes eigene steht seit zehn Jahren draußen — bei Frost, Hitze und Dauerregen.
Den letzten Stimm-Check macht ein kleiner grauer Bachstein, 2021 bei einem Spaziergang an der Wieslauter aufgehoben. Sein Ton liegt genau zwischen F und Fis. Margarete trägt ihn seitdem in der Schürzentasche.
In der Stofftasche jeder Trommel liegt eine handgeschriebene Notiz von Margarete. Ein einziger Satz — für genau diese Trommel, an genau diesem Tag.
Sie könnte ein Vielfaches verlangen. Sie tut es nicht.
Im Frühjahr 2025 begannen Margaretes Hände, ihr Dinge zu sagen, die sie lange überhört hatte. Die feine Arbeit — das millimetergenaue Feilen der Zungen — wurde unsicher. An manchen Morgen ging es noch. An den meisten nicht mehr.
„Schmieden kann man einer Hand beibringen. Das Stimmen muss sie fühlen — und meine fühlt es nicht mehr.“
Margaretes letzter Stimm-Check — der kleine graue Stein aus der Wieslauter, seit 2021 immer in der Schürzentasche.
Diese letzte Charge hat sie noch selbst gestimmt — jede einzelne. Danach legt sie den Stimmhammer für immer aus der Hand.
Eine handgestimmte Regentrommel vom Instrumentenbauer kostet vierhundert Euro aufwärts. Margarete gibt ihre letzte Charge zum Selbstkostenpreis ab. Zwei Sammler aus Heidelberg hat sie abgewiesen, dazu einen Großhändler aus Mannheim.
„Das Geld brauche ich nicht. Aber die Trommeln müssen raus in den Regen. Eine, die im Regal eines Sammlers steht, schweigt — und dafür hab ich sie nicht gemacht.“
Noch sind welche da:
Verfügbarkeit prüfenDie letzten handgestimmten Regentrommeln aus Margaretes Schmiede — solange der Vorrat reicht
Drei Gärten, ein Gewitter, dieselbe Stille
★★★★★
„Ich habe sie gleich am ersten Tag auf einen Baumstumpf im Garten gestellt. Drei Tage später kam ein richtiges Sommergewitter. Jeder Ton war Musik. Mein Mann und ich haben vierzig Minuten am Küchenfenster gesessen und kein Wort gesagt.“
★★★★★
„In Wuppertal regnet es bekanntlich oft. Die Trommel steht das ganze Jahr draußen auf dem Terrassengeländer. Früher waren die grauen Nachmittage die schlimmste Zeit im Jahr. Heute freue ich mich auf sie.“
★★★★★
„Ich habe eine an meine Mutter im Harz geschickt. Sie hat sie auf die Veranda gestellt und sagt, sie wartet jetzt auf den Regen wie auf eine alte Freundin: kommt immer zu spät, aber man wartet gern.“
Was die meisten vor dem Kauf noch wissen wollen
Wohin damit — und rostet sie nicht?
Nach draußen — überall dorthin, wo Regen fällt: auf einen Baumstumpf, eine Gartenbank, ein Terrassengeländer, ein Balkongitter. Die Trommel ist aus pulverbeschichtetem Kohlenstoffstahl und für das ganze Jahr im Freien gemacht. Margaretes eigene steht seit zehn Jahren auf demselben Stumpf. Die meisten Kunden holen sie nie ins Haus.
Und wenn es bei mir kaum regnet?
Eine Gießkanne, langsam aus einem halben Meter Höhe gegossen, macht einen ordentlichen Regenschauer — mit demselben Trick testet Margarete jede fertige Trommel. Ein Gartenschlauch, knapp über die Trommel gehalten, tut es auch.
Und wenn sie mir nach dem Auspacken nicht gefällt?
30 Tage Rückgaberecht, volle Erstattung, keine Fragen. Eine kurze E-Mail an den Support genügt.
Die letzte Charge liegt noch auf Margaretes Werkbank.
Verfügbarkeit prüfenHandgestimmt im Pfälzerwald — verschickt in der Stofftasche, mit handgeschriebener Notiz
