Kein Platz mehr zum Schlafen — Uwes Igelhaus (ADV 1 / DE)
Feld & Hecke
Rubrik: Land & Wildtiere
vor 2 Tagen ANZEIGE · 9 Min. Lesezeit

Kein Platz mehr zum Schlafen: Warum ein aussterbendes Dithmarscher Handwerk die letzte Chance des Igels vor dem Frost sein könnte

Fast jeder Gartenbesitzer in Deutschland weiß, dass es dem Igel schlecht geht. Die wenigsten wissen, dass die Gefahr nicht irgendwo draußen auf dem Land lauert, sondern im eigenen Garten — und dass sie einen Termin hat: die letzte Oktoberwoche. Uwe Reimers, 74, hat 38 Winter lang in einer alten Milchkammer in Dithmarschen herausgefunden, wo Igel tatsächlich schlafen — und was mit diesen Plätzen passiert. Das ist sein letzter Winter an der Werkbank. Was er in diesen 38 Jahren aufgeschrieben hat, ist mehr wert als die Häuser, die er gebaut hat.

Uwe Reimers, 74, vor der alten Milchkammer, in der er seit 1988 arbeitet. Tellingstedt, Dithmarschen.
Uwe Reimers, 74, vor der alten Milchkammer, in der er seit 1988 arbeitet. Tellingstedt, Dithmarschen.

Morgens in Tellingstedt: Eine Werkstatt, die nach gesägter Eiche riecht

Die Werkstatt ist die alte Milchkammer hinter dem Haus, kaum größer als eine Einzelgarage. An der Rückwand hängt die Heppe seines Vaters, der Griff blank gescheuert zur Form einer fremden Hand. Auf der Werkbank eine Reihe Eichenbretter, gesägt, gehobelt und gestapelt von demselben Paar Hände. Uwe Reimers, 74, schaut nicht auf. Er zieht einen Putzhobel an der Innenkante eines Brettes entlang, das nicht breiter ist als sein Unterarm. Das macht er seit 1988.

„Dass Schluss ist, stört mich nicht“, sagt er, immer noch ohne aufzusehen. „Mich stört, was ich nicht mehr sehe. Als Junge hab ich abends am Gatter gestanden und gezählt, wie sie über den Hof kamen. Neun, an manchen Abenden. Neun. Letzten September hab ich eine Stunde da gestanden. Keinen einzigen.“

Uwe Reimers in der alten Milchkammer hinter dem Haus. An der Rückwand die Heppe seines Vaters.
Uwe Reimers in der alten Milchkammer hinter dem Haus. An der Rückwand die Heppe seines Vaters.

Was alle über Igel wissen — und der Teil, den keiner erwähnt

Dass es dem Igel schlecht geht, muss man Ihnen nicht erzählen. 2024 hat die Weltnaturschutzunion den Westeuropäischen Igel erstmals als potenziell gefährdet eingestuft — ein Tier, das jedes Kind erkennt, steht seither auf derselben Liste wie Arten, die man sonst nur aus Dokumentationen kennt. Das stand in jeder Zeitung. Was nicht in der Zeitung stand: was mit einem bestimmten Igel in einem bestimmten Garten an einem bestimmten Wochenende Ende Oktober passiert — und genau das hat Uwe 38 Jahre lang aufgeschrieben.

„Alle zeigen auf die Landwirtschaft“, sagt er. „Aber ein Igel wohnt nicht auf dem Acker. Er wohnt in den Gärten. Gehen Sie mal durch ein Neubaugebiet: Doppelstabmatten, einbetoniert, kein Durchlass auf hundert Meter. Der Kerl läuft in einer Nacht zwei Kilometer und quert dabei ein Dutzend Gärten. Wenn Sie die alle zumachen, haben Sie nicht mehr hundert kleine Lebensräume. Sie haben hundert Meter gar nichts.“

Dazu kommt etwas, das es zu Zeiten seines Vaters noch nicht gab. „Die Mähroboter“, sagt Uwe, und es ist das Einzige an diesem Vormittag, bei dem er kurz scharf wird. „Die laufen abends, wenn er rauskommt. Und er rennt nicht weg — er rollt sich ein. Das ist sein einziger Trick, und ausgerechnet gegen das Ding ist er der falsche.“ Eine dänische Untersuchung hat 18 handelsübliche Geräte getestet: Keines erkannte einen im Gras liegenden Igel als Hindernis, bevor es ihn erwischte.

Sein Vater, Ernst Reimers, hat Knicks gepflegt, wie dessen Vater vor ihm — der Erdwall zuerst, dann die Stämmchen angeschlagen, umgelegt und festgesteckt, damit die Hecke dichter wird statt einzugehen. Knicken sagen sie hier dazu. In Schleswig-Holstein stehen heute noch rund 45.000 Kilometer Knick. In der Flurbereinigung der sechziger und siebziger Jahre verschwand ein erheblicher Teil davon — und über weite Strecken hat der Staat für das Räumen bezahlt.

„Das waren Wohnungen, diese Knicks. Keine Kulisse. Auf fünfzig Meter kam ein Igel. Dann kam das Geld fürs Rausreißen, und in fünfzehn Jahren war es weg. Mein Vater hat 1983 seinen letzten Knick gesetzt. Es wollte keiner mehr.“

Wo Igel wirklich schlafen — und was bis November daraus wird

Es gibt eine Frage, die fast niemand stellt. Und sie ist die einzige, auf die es ankommt: Wenn ein Igel nicht in einem Igelhaus liegt — wo liegt er dann?

Eine Erhebung unter deutschen Haushalten hat die Frage gestellt und 2.546 tatsächliche Igelnester erfasst. Die Antwort ist nicht romantisch, und sie ist keine Hecke:

Die fünf Plätze, die 2.546 Igel tatsächlich gewählt haben
46 % — in der Bepflanzung. Gras, Stauden, die Rückseite eines Beetes.

Fast die Hälfte. Kein Bau, keine Höhle — eine flache Mulde unter der Bepflanzung, überdacht mit totem Laub. „Und was passiert mit einem Beet im Oktober?“ sagt Uwe. „Das wird sauber gemacht.“ Der Freischneider kommt genau in den Wochen, in denen er sich einrichtet. Und bis dahin ist der Mähroboter jeden Abend darüber gefahren.

21 % — unter dem Gartenhaus.

Der beste Platz von allen, und reines Glück: Es hängt davon ab, ob Ihr Gartenhaus zufällig auf Balken mit Luft darunter steht — und ob es inzwischen jemand unten zugeschraubt hat.

15 % — im Holz- oder Reisighaufen.

Hervorragender Unterschlupf, bis zu dem Samstag im November, an dem aufgeräumt wird. Ein aufgesetzter Haufen Gartenholz ist für einen Igel von einem Haus nicht zu unterscheiden. Der Häcksler ist der schlimmste Tag seines Jahres.

6 % — im Komposthaufen.

Warm, trocken — und im Januar von jemandem mit der Forke umgesetzt, der nichts davon ahnte.

6 % — unter der Holzterrasse.

Kalt, feucht und nicht erreichbar. Wenn da unten etwas schiefgeht, merkt es bis zum Frühjahr niemand.

Lesen Sie die Liste noch einmal. Und zwar darauf hin, was da eigentlich steht. Keiner dieser fünf Plätze wurde für ihn angelegt. Vier davon sind auf Abruf: ein Beet, das auf den Rückschnitt wartet, ein Haufen Holz, der auf den Häcksler wartet, ein Kompost, der auf die Forke wartet, eine Lücke unterm Gartenhaus, die darauf wartet, zugeschraubt zu werden. Nichts davon ist nach Ende Oktober sicher.

Mehr Argument für ein Igelhaus braucht es nicht. Nur ist es nicht das Argument, das der Handel bringt. Es geht nicht darum, dass eine Kiste besser wäre als eine Hecke; eine Hecke schlägt alles, was man Ihnen verkaufen kann. Es geht darum, dass in den meisten deutschen Gärten keine Hecke steht, kein Holzhaufen liegt, den niemand anfasst, und kein Gartenhaus mit Luft darunter — und dass das Einzige, was Sie an einem Nachmittag hinstellen können und was im März noch da ist, eine Kiste mit Boden und Dach ist.

„Der ist nicht wählerisch. Der ist verzweifelt. Geben Sie ihm ein trockenes Ding, das keiner wegräumt, und er nimmt es. Das ist der ganze Trick, und die Leute machen es sich viel zu schwer.“

Der Unterschlupf, den Leute in bester Absicht bauen. Ein Laubhaufen übersteht das Herbstaufräumen nicht.
Der Unterschlupf, den Leute in bester Absicht bauen. Ein Laubhaufen übersteht das Herbstaufräumen nicht.

„Die Naturschutzverbände sagen doch, eine wilde Ecke ist besser als jede Kiste“

Sagen sie. Stellt man Uwe die Frage, widerspricht er keine Sekunde lang.

„Die haben recht“, sagt er. „Eine ordentliche wilde Ecke schlägt alles, was ich je gebaut habe, und sie füttert ihn noch dazu — die Käfer und Schnecken sitzen alle da drin. Wenn Sie ein Stück Garten haben, das Sie ernsthaft fünf Jahre in Ruhe lassen können, dann machen Sie das und schicken Sie mir kein Geld.“

Er legt den Hobel hin.

„Aber fragen Sie mal die neunundneunzig von hundert, die so eine Ecke nicht haben. Rasen, Terrasse, Gartenhaus unten dicht, Zaun ohne Lücke. Denen zu sagen, sie sollen eine wilde Ecke anlegen, heißt: Gib ein Drittel Garten auf. Die meisten machen das nicht, und es ist auch nicht fair, ihnen deswegen ein schlechtes Gewissen zu machen. Eine Kiste an den Beetrand, die stellen sie hin. Zwanzig Minuten.“

Dasselbe gilt fürs Selberbauen. Etwa vier von zehn Igelunterschlüpfen in deutschen Gärten sind selbst gebaut, und sie schneiden nicht schlechter ab als gekaufte. „Gut so“, sagt Uwe. „Wer eine Säge halten kann, soll bauen — die kostenlosen Bauanleitungen der Verbände taugen was. Eine anständige selbst gebaute Kiste schlägt eine schlechte gekaufte jedes Mal. Mit den schlechten gekauften hab ich ein Problem.“

Die Unterschlüpfe, von denen Igelstationen sich wünschen, keiner würde sie kaufen

Womit wir beim Regal neben der Tür wären, in jedem Baumarkt, im September. Die Reisig-Iglus, die Weidenkuppeln mit dem eingeflochtenen Moos für neun Euro, die kleinen bemalten Häuschen: das Billigste in der ganzen Kategorie, mit weitem Abstand das Hübscheste — und genau das, wovor die Leute warnen, die Igel tatsächlich vom Straßenrand aufsammeln.

Bei einer Igelstation klingt der Rat denkbar knapp: Bitte grundsätzlich keine Iglu-Unterschlüpfe. Uwe ist in 38 Wintern von der anderen Seite zum selben Schluss gekommen, und er kann Ihnen genau sagen, welche vier Dinge den Schaden anrichten.

Vier Dinge, die einen Unterschlupf schlimmer machen als gar nichts
1. „Der Drahtkorb“ — ein Gittergestell unter dem Reisig

„Reisig über Draht. Eine Saison lang sieht das schön aus, dann arbeitet sich der Draht aus den Zweigen raus.“ Stacheln und Beine verfangen sich im verbogenen Gitter, und ein Igel, der hängen bleibt, kann nicht rückwärts wieder raus. Das ist der eine Fehler auf dieser Liste, der ihn nicht bloß im Stich lässt — er hält ihn fest.

2. „Das gerade Loch“ — ein offener Einschlupf direkt in die Kammer

„Da ist vorn ein Loch reingeschnitten und dahinter nichts. Eine Katze greift glatt durch. Ein Marder auch. Ein Fuchs auch, und der braucht nicht lange.“ Eine gerade Öffnung ist außerdem ein Windkanal mit einem Tier am Ende.

3. „Der flache Deckel“ — ein Flachdach mit Dachpappe

„Ein flaches Dach hält Wasser, und Dachpappe schwitzt von unten. Sie haben ihm eine kalte, nasse Decke fünfzehn Zentimeter über den Kopf gebaut.“ Feuchtigkeit ist die mit Abstand häufigste Beschwerde über hölzerne Igelhäuser hierzulande.

4. „Der offene Boden“ — gar kein Boden

„Die Hälfte von dem, was verkauft wird, sind vier Wände und ein Deckel. Sie haben einen Hut auf ein Stück nassen Boden gesetzt und nennen das ein Haus.“ Er legt sich auf blanke Erde, und im Februar ist das Nistmaterial durchnässt.

„Das ist der Teil, der mich ärgert“, sagt Uwe. „Da hat jemand neun Euro ausgegeben und nichts als Gutes gewollt. Und was er gekauft hat, ist schlechter als der Holzhaufen, den er vorher schon hatte.“

Die Alternative: unbehandelte Eiche, ein fester Boden und eine Zwischenwand hinter dem Einschlupf.
Die Alternative: unbehandelte Eiche, ein fester Boden und eine Zwischenwand hinter dem Einschlupf.

38 Winter lang nachsehen gehen: Was Uwe herausgefunden hat

Uwe Reimers wollte nie irgendetwas herstellen. Er hat einunddreißig Jahre beim Bauhof gearbeitet, auf der Straße, und abends getischlert, so wie sein Vater abends Knicks gemacht hat. Als Ernst im Frühjahr 1987 starb, blieb ein Schuppen voll Werkzeug zurück — und ein Stapel Eiche aus seinem letzten Knickschnitt, der unter einer Plane ablagerte.

„Ich hab eine Kiste draus gebaut, weil ich es nicht übers Herz brachte, das zu verbrennen“, sagt er. „Hab sie da hingestellt, wo sein Knick lief, oben am Feld. Dann nicht mehr dran gedacht.“ Er hört einen Moment auf zu hobeln. „Vierzehn Tage später heb ich den Deckel an, und da liegt einer drin. Eingerollt, fest am Schlafen. Und ich dachte — na. Das ist ja nun nicht nichts.“

Er hat es aufgeschrieben — das Datum, den Ort, genau die Stelle, an der sie stand — dann eine für die Nachbarin gebaut und das auch aufgeschrieben. Das ist die Methode, und geändert hat er sie nie: bauen, irgendwo hinstellen, hingehen und nachsehen, aufschreiben, was man gefunden hat. Ab dem neunten Winter wollte er es genauer wissen als mit bloßem Auge und hat im Oktober ein billiges Min-Max-Thermometer in die Kammer gelegt und es im März abgelesen. Dann zwei davon: eines in einem seiner Häuser, eines in dem, was die Nachbarn aus dem Baumarkt mitgebracht hatten.

„Da ist der Groschen gefallen. All die Jahre hatte ich an warm gedacht. Warm ist nicht die Aufgabe.“

Das Prinzip der stillen Kammer: Warum Kleinigkeiten entscheiden, ob ein Igel aufwacht

Ein Igel im Winterschlaf schläft nicht in einem Stück durch. Er kommt hoch — ein Dutzend Mal oder öfter zwischen November und April — und jedes einzelne Aufwachen verbrennt drei bis vier Tagesrationen von dem Fett, das er den ganzen Herbst über angelegt hat. Er braucht 600 Gramm auf den Rippen, um überhaupt hineinzugehen, besser 700 — und ein erheblicher Teil der diesjährigen Jungtiere kommt da nie hin.

Was ihn hochreißt, ist selten die Kälte allein. Ihn weckt der Wechsel: ein Zug, der über ihn streicht, eine Kammer, die sich mit jeder Sonnenstunde und jeder Bö aufheizt und wieder abkühlt. „Der erfriert nicht“, sagt Uwe. „Der verhungert. Der wacht zu oft auf und ist leer, bevor der Frühling da ist. Die Aufgabe vom Haus ist also nicht, warm zu sein. Die Aufgabe ist, ihn in Ruhe zu lassen.“

Das Prinzip der stillen Kammer
„Die Zwischenwand“ — das versetzte Brett hinter dem Einschlupf

Ein Brett quer hinter der Öffnung, sodass der Weg hinein um die Ecke geht. Der Igel geht drumherum; der Zug nicht. Ein Fuchs, ein Marder oder eine Katze kommen mit der Pfote hinein, aber keiner von ihnen kommt um die Ecke. Der Einschlupf misst 9,8 cm — weit genug für einen ausgewachsenen Igel, zu knapp für die Schultern einer Katze.

„Die Rindendecke“ — das überlappende Dach

Halbrunde Eichenlatten mit der Rinde dran, wie Ziegel über die Rundung gelegt. Die Rundung wirft das Wasser ab; die Luft zwischen den Lagen dämmt. Das ganze Dach lässt sich zum Frühjahrsputz in einem Stück abheben. „Die Knicks von meinem Vater haben den Regen abgehalten, und dicht waren sie nicht. Nichts, was ordentlich funktioniert, ist dicht.“

„Keine toten Ecken“ — die gewölbte Kammer

Rund statt eckig, damit sich kalte Luft in keiner Ecke sammeln und Feuchtigkeit sich nirgends absetzen kann — und damit ihm kein schlechter Platz zur Wahl bleibt. „Nimm die Ecken raus, dann kann er sich nicht falsch entscheiden.“

„Die Enge“ — die Größe, die ein Igel tatsächlich will

34 mal 19 Zentimeter Grundfläche, 17 vom Boden bis zum Scheitel. Das ist kein Kompromiss und keine Sparversion von etwas Größerem: Es ist das Maß, bei dem Uwe nach 38 Wintern gelandet ist, in denen er sie größer und kleiner gebaut hat — und es ist das Maß, das laut seinen Kladden angenommen wird. Ein Igel rollt sich auf etwa die Größe eines kleinen Fußballs zusammen, und jeder Zentimeter Luft darüber ist Luft, die er mit dem eigenen Körper wärmen und bis zum Morgen wieder verlieren muss. „Die Leute denken, größer ist freundlicher. Ist es nicht. Eine große Kiste ist eine kalte Kiste. Der will keinen Festsaal — der will ein Loch, das passt.“

„Der geschlossene Boden“ — ein fester Boden statt offener Erde

Ein durchgehender Eichenboden über die vollen 34 mal 19 Zentimeter, und ein Dachüberstand, der weit genug übersteht, um den Regen von den Kanten fernzuhalten. Der Boden ist das, was aus nasser Erde ein trockenes Bett macht. „Sie würden im November auch nicht auf dem Rasen schlafen. Der auch nicht, wenn er die Wahl hat.“

„Der kurze Weg“ — die kleine Standfläche

Es braucht weniger Platz als ein Pflanzkübel, steht also am Beetrand oder neben dem Gartenhaus, statt in die hinterste Ecke verbannt und vergessen zu werden. Ein Platz nah am Gebäude ist geschützter. „Was Sie nicht sehen, füttern Sie nicht. Und wenn Sie nicht füttern, geht er dahin, wo jemand füttert.“

Links: was die meisten Gärten bieten. Rechts: die Bauart, die Uwe seit 1997 baut.
Links: was die meisten Gärten bieten. Rechts: die Bauart, die Uwe seit 1997 baut.

„Drei Grad — und vierzehn nebenan“

Uwe holt die Kladden vom Regal: nicht ein Heft, sondern elf, zusammengehalten von einem mürben Gummiband. Mehr als viertausend Einträge, und ab dem neunten Winter eine zweite Zahlenspalte am rechten Rand.

„Winter siebenundneunzig“, sagt er und tippt auf eine Seite. „Meins hat über Nacht drei Grad geschwankt. Das aus dem Baumarkt, nebenan im Garten, vierzehn. Gleiches Wetter, gleiches Dorf, zwölf Meter auseinander.“ Er zuckt mit den Schultern. „Vierzehn Grad sind eine Menge Aufwachen.“

Er blättert weiter zurück. Ein Eintrag von 2004, ein Haus, geliefert auf einen Hof bei Hennstedt. „Seitdem jeden Winter belegt. Die Tochter von der Frau hat es jetzt. Die schickt mir zu Weihnachten eine Karte und schreibt das Datum rein, dann hab ich die ganze Reihe in ihrer Handschrift.“

„Das ist die Bezahlung. Nicht das Geld. Zu wissen, dass da was ist, was ich mit diesen Händen gemacht hab, und es wohnt immer noch einer drin, zwanzig Jahre später. Das macht die Eiche. Die gibt nicht auf.“

Elf Hefte, 38 Winter, über viertausend Einträge. Jedes Haus, wohin es ging, und ob je etwas darin war.
Elf Hefte, 38 Winter, über viertausend Einträge. Jedes Haus, wohin es ging, und ob je etwas darin war.

Machen Sie zuerst das hier. Es kostet nichts.

Bevor irgendjemand Uwe Geld schickt, möchte er etwas über Zäune loswerden. Die Verbände sagen es so deutlich, wie es geht: Ohne einen Weg in Ihren Garten hinein wird ein Igel Ihr Igelhaus nicht benutzen, so schön es auch ist. Empfohlen wird ein Durchlass von 15 mal 15 Zentimetern, ebenerdig, in einem Zaunfeld. Groß genug für ihn, zu klein für den Hund von nebenan.

Diese 15 Zentimeter, schiebt Uwe schnell hinterher, sind ein Zaunmaß und kein Türmaß. „Das hat mal jemand für Lücken in Zäunen aufgeschrieben, und seitdem schreiben es alle ab.“ Sein eigener Einschlupf misst 9,8 Zentimeter, und das mit Absicht. Jede Öffnung, von der je jemand aufgeschrieben hat, dass ein Igel sie benutzt, ist schmaler als fünfzehn — acht Zentimeter, neun, zehn, zwölf; alle haben funktioniert, und noch nie hat jemand gemeldet, dass einer an zehn gescheitert wäre. „Was fünfzehn Zentimeter zuverlässig schaffen“, sagt er, „ist, die Katze mit reinzulassen. Schneiden Sie die Zaunlücke ruhig auf fünfzehn — ein Loch im Zaunfeld darf großzügig sein, das ist ja keine Tür. Andere Aufgabe.“

„Sägen Sie es selbst, das kostet nichts“, sagt Uwe. „Oder fragen Sie vorher den Nachbarn, was von beidem die schwerere Arbeit ist. Aber machen Sie es vor allem anderen, denn ein Haus hinter einem dichten Zaun ist Dekoration, und an Dekoration hab ich kein Interesse.“

Das zweite, was nichts kostet: eine flache Schale Wasser und ein Schälchen Katzenfutter, ein paar Schritte von der Tür entfernt. Kein Brot. Niemals Milch — die können sie nicht verdauen. Futter in der Nähe des Einschlupfs ist einer der stärksten einzelnen Hinweise darauf, ob überhaupt jemand einzieht.

Was die Leute nach einem Winter zurückschreiben

★★★★★ 4,9 aus 1.240 verifizierten Bewertungen Bewertungen stammen ausschließlich von Kundinnen und Kunden mit nachgewiesener Bestellung. Die Prüfung erfolgt über den Abgleich mit der Bestellnummer; nicht zuordenbare Bewertungen werden nicht veröffentlicht.
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„Ich hatte ehrlich gesagt nie darüber nachgedacht, wo die eigentlich schlafen. Wir haben Rasen, Terrasse und ein Gartenhaus, das unten zu ist, und nach dem Artikel ist mir klar geworden: In unserem Garten gibt es keinen einzigen Platz, an dem ein Igel je einen Winter hätte verbringen können. Uwes Haus stand Ende September neben dem Gartenhaus. Mitte November lag Kot direkt hinter dem Einschlupf und das Nistmaterial war durcheinandergezogen. Mein Mann hat geweint, was er bestreiten wird.“

Heike M., Niedersachsen

★★★★★

„Womit ich nicht gerechnet hatte: dass es das schönste Ding im Garten sein würde. Alles andere, was ich mir angesehen habe, war entweder eine Sperrholzkiste, die man verstecken soll, oder eines von diesen Weideniglus, die auseinanderfallen. Das hier steht am Ende des Beetes, wo ich es vom Spülbecken aus sehe — was ja, wie Uwe sagt, ziemlich genau der Sinn der Sache ist.“

Angelika W., Westfalen

Die Fragen, die am häufigsten kommen

Ich habe hier noch nie einen Igel gesehen. Bringt das überhaupt was?

„Häufigste Frage überhaupt, und die Antwort ist fast immer ja. Sie sehen ihn nicht, weil er um eins nachts unterwegs ist und Sie nicht. Er muss auch gar nicht in Ihrem Garten wohnen — er muss durchkommen und ein trockenes Ding finden. Geben Sie ihm eine ganze Saison. Es haben mir Leute im zweiten Herbst geschrieben, nicht im ersten.“

Ist es nicht zu spät im Jahr, um noch eins aufzustellen?

„Ende September bis in den Oktober sind die besten zwei Wochen im ganzen Jahr, um eins hinzustellen, nicht die schlechtesten — genau dann lösen sich die diesjährigen Jungtiere von der Mutter und suchen. Stellen Sie es im April raus, steht es bis zum Herbst sowieso leer.“

Kommt eine Katze oder ein Fuchs da rein?

„Dafür ist die Zwischenwand da. Eine Katze kriegt eine Pfote rein und ein Fuchs die Nase, aber um die Ecke kommt keiner von beiden. In achtunddreißig Jahren haben mich zwei Leute wegen einer Katze angerufen, und beide Male saß die Katze oben auf dem Dach, nicht drin.“

23:40 Uhr, ein Garten im Münsterland. Der erste Bewohner der Saison.

Ein Handwerk endet in diesem Winter — und damit der Nachschub

Nach 38 Wintern an der Werkbank ist Uwe zu einem Entschluss gekommen, den ihm niemand aufgezwungen hat und den seine Hände trotzdem unausweichlich gemacht haben. Es ist ein essenzieller Tremor — ein Zittern in beiden Händen, das seit fünf Jahren schlimmer wird. Sägen kann er noch. Stapeln, ablagern, sortieren auch. Aber die feine Arbeit, das Zupassen der Zwischenwand, damit sie sauber sitzt, das Ausarbeiten der Wölbung, die Rindenlatten, die ohne Spalt über die Rundung liegen müssen — das ist vorbei.

„Sägen geht“, sagt er. „Es ist das Feine. Ich krieg den Stemmeisen nicht mehr gerade gehalten, und wenn ich es nicht richtig kann, lass ich es ganz. Mein Vater hätte was zu einer schludrigen Verbindung gesagt.“

Sein Sohn Torben hat einen Baumaschinenverleih in Heide und mit all dem nichts am Hut. Einen Lehrling gibt es nicht. Wenn Uwe aufhört, verschwindet mit ihm, was er in 38 Wintern angesammelt hat — die Kladden, die Temperaturspalten, das Gefühl dafür, welches Brett arbeitet und welches nicht.

Was bleibt, sind die letzten Häuser in den Regalen der Werkstatt — 83 Stück, als wir im August dort waren. Die letzten, die je aus dieser alten Milchkammer kommen.

„Ums Geld ging es nie. Geht es immer noch nicht.“

Uwe könnte mehr verlangen, und jeder, der eines davon in der Hand hatte, würde verstehen, warum. Er hat den Preis für die letzte Serie bewusst niedrig gelassen. Nicht als Aktion. Nicht als Abverkauf. Als Geste.

„Ich will das Geld nicht. Ich will die Dinger in Gärten haben. Ich will, dass im November jemand am Küchenfenster steht und sagt: ,Der ist drin.' Das ist mir erheblich mehr wert als eine Zahl auf einem Schild.“

Seine Enkelin Merle, 27, macht den Onlineteil über Herzmarkt24 — ein kleiner Shop, den sie in ihrem Arbeitszimmer aufgesetzt hat, als die Bestellungen mehr wurden, als sich mit einem Festnetztelefon bewältigen ließen. „Es gibt offenbar Tausende Leute, die genau danach gesucht haben“, sagt sie. „Etwas von jemandem, der tatsächlich hingegangen ist und nachgesehen hat.“

Uwes Igelhaus, in Kürze

Von einem Paar Hände gebaut: Jedes Haus entsteht bei Uwe Reimers in seiner Werkstatt in Tellingstedt, Dithmarschen. Keine Fabrik, keine Fertigungsstraße. Hinter jedem einzelnen stehen 38 Winter und über 4.000 dokumentierte Ergebnisse.

Das Prinzip der stillen Kammer: gebaut, um einen Igel im Winterschlaf ungestört zu lassen, statt ihn bloß zuzudecken — weil ihn das Aufwachen umbringt, nicht die Kälte.

Auf das Tier zugeschnitten: 34 × 19 × 17 cm mit einem gewölbten Einschlupf von 9,8 cm — die Maße, bei denen Uwe nach 38 Wintern geblieben ist, klein genug, um seine Körperwärme zu halten, und groß genug für ein ausgewachsenes Tier. Unbehandelte Eiche, fester Boden, abnehmbares Dach: ein durchgehender Boden statt offener Erde, und ein Dach, das sich zum Frühjahrsputz in einem Stück abheben lässt. Kein Sperrholz, keine Dachpappe, kein Drahtgeflecht, nirgendwo eine chemische Behandlung.

Ausdrücklich die letzte Serie: 83 Häuser waren übrig, als dieser Artikel in den Druck ging. Der letzte Winterbau aus Uwes Werkstatt — keine Nachproduktion, kein Nachfolger, keine zweite Charge.

Wo es verkauft wird

Uwes Igelhaus wird über Herzmarkt24 verkauft, den kleinen Onlineshop seiner Enkelin Merle. Es steht in keinem Baumarkt und auf keinem Marktplatz, aus dem schlichten Grund, dass ein Mann in einer alten Milchkammer in Dithmarschen sie nicht beliefern kann.

Überlappende Eichenlatten mit der Rinde dran. Die Rundung wirft das Wasser ab; die Luft zwischen den Lagen dämmt.
Überlappende Eichenlatten mit der Rinde dran. Die Rundung wirft das Wasser ab; die Luft zwischen den Lagen dämmt.

Nur diesen Herbst. Danach schließt die Werkstatt endgültig.

Die Saison hat längst begonnen. Überall in Deutschland lösen sich in diesem Monat die Jungtiere von ihren Müttern, mit rund neun Wochen Zeit, um die 600 Gramm zuzulegen, die sie vor dem ersten harten Frost brauchen — und sie gehen los und suchen einen Platz für den Winter. Sie werden Garten um Garten um Garten queren und in den meisten davon gar nichts finden. Und die Regale in Tellingstedt werden jede Woche leerer — die Serie davor war in elf Tagen weg.

„Ich will jedes einzelne davon in einem Garten haben“, sagt Uwe. „Mehr will ich nicht. Eine ruhige Stelle in Hausnähe, eine Handvoll Laub rein und jemand, der sich die Mühe macht, ein Schälchen rauszustellen. Den Rest macht er selber.“

Kein Risiko: Die Garantie über den ganzen Winter

Beim Igel geht nichts schnell, deshalb hängt diese Garantie an keiner Uhr. Stellen Sie es raus. Wenn Sie mit dem Haus selbst nicht rundum zufrieden sind — dem Holz, dem Dach, der Zwischenwand, dem Gewicht des Dings — schicken Sie es zurück und bekommen den vollen Kaufpreis erstattet. Keine Bedingungen, keine Frist, keine Formulare. Uwe steht für jedes Haus gerade, das seine Werkstatt verlässt, und Herzmarkt24 tut das auch.

Mehr aus den Gärten, in die sie gegangen sind

★★★★★

„Ich helfe ehrenamtlich in einer Igelstation und weiß, was nach einem schlechten Winter reinkommt. Unterkühlte Tiere aus zusammengefallenen Weidenkuppeln, Beine im Draht, Jungtiere, die nie auf Gewicht gekommen sind. Die Dinge, über die Uwe nachgedacht hat — der Zug, die Ecken, ein Boden, der tatsächlich da ist — sind genau die Dinge, die wir schiefgehen sehen. Es ist das einzige, das ich empfehle.“

Dr. Franziska L., Hessen

★★★★★

„Wir haben zuerst die Lücke in den Zaun gesägt, wie er sagt, und kamen uns dabei leicht albern vor. Im Oktober bestellt, Ende des Monats stand es draußen, und beim ersten Frost war jemand drin. Wir hatten in diesem Garten seit ungefähr 2015 keinen mehr gesehen. Ich saß eine halbe Stunde im Dunkeln auf der Treppe, nur um sicher zu sein, dass ich mir das nicht eingebildet habe.“

Susanne T., Brandenburg

★★★★★

„Ich war immer davon ausgegangen, dass die hübschen Dekoration sind und die nützlichen hässlich, und dass man sich entscheiden muss. Stellt sich raus: Das war einfach nur das, was alle verkauft haben. Das hier ist beides, und es ärgert mich ein bisschen, wie lange ich gebraucht habe, um es zu finden.“

Rosemarie D., Baden

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